„Das macht der ja sowieso nicht“ - habe ich gedacht. Also nickte ich immer lächelnd, als mein Schatz Jochen laut träumte: Irgendwann kaufen wir einen Oldtimer. Tatsächlich hat Jochen diesen Wunsch immer mal wieder geäußert, schon als wir uns kennenlernten.„Wenn ich mal viel Geld habe, dann kauf ich dir einen“, versprach ich ihm scherzend. Gerne schaute er sich auch entsprechende Magazine an oder stöberte im Internet, was es denn so gibt und was es so kostet. Erstaunt war ich auch immer über seine guten Kenntnisse auf diesem Gebiet.
Da Jochen, Banker von Beruf, den wirtschaftlichen Nutzen in alle Käufe mit einbezieht, dauerte die Suche etwas länger. Im Jahre 2008 war es aber doch soweit. Immer öfter zeigte er mir im Internet kleine Wägelchen, die schon Oldtimer waren oder kurz davor, es zu werden. Für den Einstieg in die Oldtimer-Welt sollte es ein Auto werden, das erschwinglich ist und für das es auch noch problemlos Ersatzteile gibt. Die besten und auch günstigsten Modelle seines Wunsch-Autos standen allerdings in Great Britain und mussten auch dort abgeholt werden.

Natürlich sagte ich ihm lächelnd nickend  meine Begleitung zu, wenn es zu einem Kauf käme. „Ich habe einen MG-Midget im Internet entdeckt, der ist was für uns!“ Zu diesem Zeitpunkt glaubte ich immer noch nicht dran, dass aus diesem „Spleen“ Ernst werden würde. Dennoch wurde mir jedes Mal etwas unbehaglich, wenn Jochen mal wieder was Geeignetes im Netz gefunden hatte. 3 – 2 – 1 Seins! Ich nickte nicht mehr und lächeln konnte ich auch nicht mehr. Es wurden 100,00 € angezahlt und der Vertrag über ein weltberühmtes Auktionshaus abgeschlossen. Der Übergabetermin war schnell gemacht und Jochen wünschte sich selbstverständlich die Begleitung seiner lächelnd nickenden Frau, die ja schließlich ihre Mithilfe angeboten hatte. Nun gut, dann war es halt so. Es wurde ein Anhänger für unser Auto gemietet, mit dem wir unseren Familienzuwachs abholen wollten und Tickets für den Eurotunnel wurden nebenbei auch gebucht. Ich packte einen Picknickkorb für unterwegs und wir fuhren samstagsmorgens um 5.00 Uhr von zu Hause los Richtung Calais, dann durch den Eurotunnel nach Folkestone. Dann im Linksverkehr weiter nach Horseham, dort sollte das Schätzchen wohnen. Horror-Kreisverkehre und der ungewohnte Linksverkehr waren eine Herausforderung, aber bis zur Stadtmitte haben wir es geschafft. Von dort holte uns freundlicherweise „Steve“, der Noch-Besitzer ab und brachte uns zur richtigen Adresse. Dort wurden wir von Steve's Frau mit Tee und Brötchen empfangen. Ein netter Austausch, soweit möglich mit unseren Englischkenntnissen, folgte, Jochen war schon mit Steve auf dem Weg zur Garage, um seine Errungenschaft zu begutachten. Kurze Zeit später hörte ich nur ein mörderisches Motorengeräusch, was meine Neugier weckte und mich nach draußen lockte. Dem Geräuschpegel nach hatte ich etwas ganz anderes erwartet, nicht so ein kleines Wägelchen, das aussah, als wäre es aus einem Kinderkarussell herausgefallen. Verantwortungsbewusst wurde er dann auf dem Anhänger verzurrt, die Familie verabschiedet und der Heimweg begonnen. Steve brachte uns noch bis zur Autobahn und nun ging das Abenteuer erst mal richtig los. Beim Halt vor dem Eurotunnel bildeten sich geradezu Trauben von Schaulustigen um das Auto auf dem Anhänger. Es sah aber auch sehr lustig aus, das kleine Auto auf dem großen Anhänger.

             

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